Unfallkasse Baden-Württemberg

Gemeinsamer Hinweis des Innenministeriums und der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg

Problem

Bei Übungen zur Brandbekämpfung in sogenannten "flash-over-Anlagen" kam es bei dem Helmtyp H2 (Hersteller: Firma Schuberth) zu Veränderungen in Form von Blasenbildungen und Verformungen der Helmschale; und dies obwohl der Helm der DIN EN 443 entspricht.

Unter hoher Wärmebelastung (vermutlich bei Temperaturen über 200° C) bildet dieser Kunststoffhelm - offensichtlich aufgrund von Gasbildung - zum Teil großflächige Blasen, die auch zum Ausbeulen der Helmschale nach innen führen können.

In einem konkreten Fall wurde dadurch die Helmschale nach oben weg gedrückt und der Kinnriemen schnürrte den Helmträger im Bereich der Kehle ein, so dass es zu Panik und Atemnot kam. Mit der Durchtrennung des Kinnriemens wurde die Situation entschärft.

Durch das Hochziehen des Helmes kann es in solchen Fällen auch zum Verrutschen der Atemschutzmaske kommen.

Das Problem hat aber nichts mit der Form des Helms zu tun, wie es in der Fernsehsendung "Frontal 21" vom 22.01.2002 behauptet wurde, sondern das Problem resultiert (so der derzeitige Kenntnisstand) allein aus der verwendeten Kunststoffzusammensetzung und deren Reaktion auf Wärmebeaufschlagung.
Aluminiumhelme und Kunststoffhelme auf GFK-Epoxidharzbasis zeigen solch ein Verhalten nicht.

Vorgehen und Empfehlung

Derzeit wird das bestehende Problem analysiert und es wird versucht, die Anforderungen in der DIN EN 443 zu ändern. Herr Fleck, als Vorsitzender des Arbeitsausschusses AA 192.03 "Persönliche Schutzausrüstung für Feuerwehren" im FNFW ist bereits tätig geworden. Im brandSchutz 2/2002 wird voraussichtlich ein Bericht des FNFW-Vorsitzenden und des Vorsitzenden der Fachgruppe Feuerwehr und Hilfeleistung des BUK erscheinen.

Bis zur endgültigen Klärung des Sachverhaltes ist wie folgt zu verfahren:

  • Helme mit der Typ-Bezeichnung H2 aus Textil-Phenol-Kunstharz dürfen bei Übungen in flash-over-Übungsanlagen nicht mehr eingesetzt werden. Es wird empfohlen, hierfür Helme aus Aluminium oder aus einem anderen Kunststoff mit höherer Wärmebeständigkeit zu verwenden.
  • Feuerwehrleute, bei denen der Eintritt ähnlicher Bedingungen im Einsatz nicht ausgeschlossen werden kann, müssen Helme mit einer höheren Temperaturbeständigkeit (Werkstoffe: Al, GFK) tragen. Das bedeutet: Feuerwehren, die Helme des Typs H2 einsetzen, sollen darauf achten, dass solche Helme nur von Feuerwehrangehörigen getragen werden, die nicht als Atemschutzgeräteträger eingesetzt werden.
  • Alle Feuerwehrleute, bei denen mit derartigen Bedingungen nicht zu rechnen ist, können im Einsatz weiterhin den genannten bewährten Helm H2 verwenden.
  • Um auch zukünftig in Baden-Württemberg Unterschiede in der Ausstattung mit persönlicher Schutzausrüstung zu vermeiden, sollen Helme des Typs H2 oder andere aus Textil-Phenol-Kunstharz-Werkstoff hergestellte Helme nicht mehr beschafft werden.